Asthma Aspekte - Kompetenzzentrum für Atemwegserkrankungen

Was ist Asthma bronchiale?
Hauptmerkmal sowohl beim allergisch bedingten als auch beim nichtallergisch bedingten Asthma, ist eine Entzündung der Atemwege.

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Ob jemand Asthma hat oder nicht, kann nur der Arzt feststellen. Dazu stehen ihm vielfältige ausgeklügelte Diagnosesysteme zur Verfügung. Fast immer erfolgt ein komplexer Lungenfunktionstest, der Aussagen darüber erlaubt, in wieweit die Leistungsfähigkeit der Lunge bereits beeinträchtigt ist.

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Asthma Aspekte

Asthma auch im Herbst

ArztUntersuchungen in der Arztpraxis geben Aufschluss über Asthmaerkrankung

Die COPD ( Chronic Obstructive Pulmonary Disease) gehört weltweit zu den verbreitetsten Erkrankungen. Experten rechnen damit, dass die fast ausschließlich durch das Zigarettenrauchen verursachte COPD bereits im Jahre 2020 die dritthäufigste Todesursache überhaupt sein wird. Die starke Zunahme des Zigarettenkonsums – vor allem bei Jugendlichen – ist unter diesem Aspekt geradezu alarmierend. Denken wir immer daran: Wer einmal eine COPD entwickelt hat, wird sie eigentlich nie wieder los.

Natürlich gelingt es heutzutage, die Krankheit mit modernen Medikamenten gut zu kontrollieren und dem Betroffenen ein nahezu beschwerdefreies Leben zu sichern. Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang des bronchienerweiternden Mittels Formoterol und des Entzündungshemmers Budesonid, die bei besonders schwerer COPD eingesetzt werden können. Patienten, die mit einer Kombination beider Wirkstoffe behandelt werden, haben nur selten eine ernsthafte "Exazerbation"*, einen "Rückfall" ihrer Beschwerden. Interessanterweise finden diese beiden Wirkstoffe auch bei der Behandlung einer anderen Erkrankung der Atemwege eine breite Anwendung: Bereits seit vielen Jahren wird das Asthma bronchiale mit diesen Substanzen bekämpft. Das Asthma soll auch heute wieder unser Thema sein.

Viel stärker als bei der COPD kann der Schweregrad des Asthma mit den Jahreszeiten variieren. Viele Menschen haben vor allem im Frühling und im Frühsommer asthmabedingte Atemwegsbeschwerden. Doch auch im Herbst ist wieder Asthmasaison. Im späten August und den ganzen September hindurch blühen hierzulande zahlreiche Gräser-Arten. Obwohl die Pollenflugkonzentration an den regnerischen Herbsttagen zwar geringer ist als im Frühling, verschlechtern sich die Beschwerden vieler Asthmatiker merklich. Nasskalte Nebel und die zu Beginn der Heizperiode wieder vermehrt rauchenden Schornsteine leisten ihren Anteil daran. Industrieabgase, kalte Luft, nebeliges Wetter und die herbstlichen Temperaturschwankungen, ja sogar Virus-Infekte sind nämlich die Ursachen des so genannten nicht-allergischen Asthmas. Weil viele Asthmatiker an einer Mischform aus allergischem und nicht-allergischem Asthma leiden, verstärken sich ihre Beschwerden in den Herbstmonaten gewissermaßen in doppelter Hinsicht.

Asthma = Atemwegsverengung + Entzündung

Asthmatische Beschwerden können also viele Ursachen haben. Am häufigsten ist jedoch das allergische Asthma. Atmet der Betroffene ein Allergen, zum Beispiel Blütenstaub, Schimmelpilze, Tierhaarschuppen oder Absonderungen der Hausstaubmilbe ein, setzt sich seine überempfindliche Bronchialschleimhaut mit einer Entzündungsreaktion zur Wehr. Dabei verkrampfen sich auch die Bronchien. Atemnot und Hustenattacken sind die Folge. Im schlimmsten Fall kann es zum akuten Asthmaanfall kommen:

Wirkung des Asthmaanfalls


Während die Einengung der Atemwege nach dem Asthmaanfall glücklicherweise wieder vollständig zurückgeht, weil der Betroffene den Allergenen nicht mehr ausgesetzt ist, bleiben die entzündlichen Prozesse hingegen zu einem großen Teil weiter bestehen. Dadurch wird die Schleimhaut zunehmend geschädigt. Die Folge ist nicht nur eine allmähliche Verschlechterung der Lungenfunktion, sondern auch eine immer größer werdende Empfindlichkeit gegenüber eingeatmeten Stoffen. Der Arzt spricht von der bronchialen Hyperreagibilität und beurteilt deren Ausmaß anhand bestimmter Testverfahren.

Asthma - Die Untersuchung beim Arzt

Ob jemand Asthma hat oder nicht, kann nur der Arzt feststellen. Dazu stehen ihm vielfältige ausgeklügelte Diagnosesysteme zur Verfügung. Fast immer erfolgt ein komplexer Lungenfunktionstest, der Aussagen darüber erlaubt, in wieweit die Leistungsfähigkeit der Lunge bereits beeinträchtigt ist.

Auf völlig schmerzlose Weise werden dazu zum Beispiel die Luftvolumina gemessen, die unsere Lungen ein- bzw. ausatmen. Für den Arzt sind vor allem die Vitalkapazität VC – das maximale ein- und wieder ausgeatmete Luftvolumen – und die Einsekundenkapazität FEV1** von Bedeutung. Letztere gibt die Luftmenge an, die beim Ausatmen innerhalb der ersten Sekunde maximal ausgestoßen werden kann. Unterschreitet sie einen bestimmten Wert, ist das ein deutliches Zeichen für eine Atemwegsverengung. Bei gesunden Personen beträgt die Einsekundenkapazität etwa ¾ der Vitalkapazität. Ein FEV1–Wert von weniger als 50 Prozent der Vitalkapazität deutet auf eine schwere Atemwegseinengung hin.

Ein weiterer einfach zu ermittelnder und dennoch sehr aussagekräftiger Parameter ist der so genannte Peak-Flow-Wert PEF (Peak Exspiratory Flow = engl. Spitzenfluss der Ausatmung), der den maximalen Luftstrom während einer kurzen und kräftigen Ausatmung angibt. Diese Kenngröße hängt unmittelbar vom Durchmesser und der Schleimhautbeschaffenheit der Atemwege ab. Manchmal wird eine ergänzende Bronchoskopie durchgeführt, die zeigt, ob die Bronchialschleimhaut bereits infolge der Entzündungsvorgänge geschädigt ist.

Der Allergietest

Eine der ersten Untersuchungen wird jedoch fast immer ein Allergietest sein. Mit Hilfe einer Hautreaktion oder durch die Untersuchung des Blutes gibt sie Aufschluss, ob die Beschwerden allergischer oder nichtallergischer Natur sind.

Ist die Lungenfunktion noch normal, besteht aber aufgrund dieses Allergietestes der Verdacht auf ein allergisches Asthma, kann eine so genannte Provokationsuntersuchung sinnvoll sein. Dazu atmet der Betroffene eine vernebelte Substanz zum Bespiel Methacholin oder einfach nur kalte Luft ein, die bei überempfindlichen Atemwegen ab einer bestimmten Konzentration zu einer Bronchienverengung führt. Die damit einhergehende Veränderung der Flussgeschwindigkeit des Atemvolumens, einschließlich des PEF, gibt dem Untersuchenden ein genaues Bild über ein eventuell vorliegendes Asthma bronchiale. Ein Gesunder zeigt im Gegensatz zum Asthmatiker beim Provokationstest keine merkliche Verschlechterung der Lungenfunktion.

Der Bronchospasmolysetest

Auch wenn man heutzutage hin und wieder berechtigte Zweifel am Sinn so mancher medizinischer Doppel-Untersuchung hegen muss, gilt auch unter den großen wirtschaftlichen Zwängen des Unternehmens "Arztpraxis": Jede Untersuchung dient einzig und allein dem Ziel, eine optimale Therapie für den betroffenen Patienten zu finden. Ein besonders überzeugendes Beispiel für dieses ärztliche Credo im Sinne Hippokrates´ ist der Bronchospasmolysetest. Bei dieser Untersuchung wird geprüft, durch welches Medikament sich das Asthma besonders gut beeinflussen lässt. Zunächst wird ein ganz normaler Lungenfunktionstest durchgeführt. Danach erhält der Patient ein Medikament. Etwa 20 bis 30 Minuten später werden alle Messungen wiederholt. Zeigt sich unter der Medikation eine mehr als 20prozentige Verbesserung der ursprünglichen Lungenfunktionswerte, spricht der Arzt von einer positiven Bronchospasmolyse. Anders als bei vielen anderen medizinischen Untersuchungen ist ein positives Ergebnis hier tatsächlich vorteilhaft. Arzt und Patient können in diesem Fall sicher sein, dass das angedachte Medikament auch wirklich helfen wird. Vor allem die kombinierte Gabe von bronchienerweiternden Mitteln (wie Formoterol) und starken Entzündungshemmern (z.B. Budesonid) führen in vielen Fällen zu einer erheblichen Verbesserung der Testergebnisse. Beide Wirkstoffklassen verstärken ihre spezifischen Effekte nämlich gegenseitig. Dadurch ist sowohl der bronchienerweiternde Effekt als auch die Entzündungshemmung größer, als nach Gaben der jeweiligen Einzellsubstanzen allein. Gleichzeitig verringert sich die Überempfindlichkeit der Bronchialschleimhaut deutlich.

Lungenfunktion


Der Pulverinhalator: Vom Vernebler zum modernen Pulverinhalator

Asthma ist eine häufige Erkrankung. In Deutschland sind schätzungsweise jeder zwanzigste Erwachsene und jedes zehnte Kind betroffen. Es ist nur natürlich, dass deshalb die Entwicklung geeigneter Medikamente hohe Priorität genießt. Im Laufe der Jahre konnten immer wirksamere Substanzen in den Forschungslaboratorien der Pharmaindustrie entwickelt werden. Ein bloßer Wirkstoff allein heilt jedoch noch lange keine Krankheit. Er muss erst in eine geeignete Form "gepackt" und an die richtige Stelle im Organismus transportiert werden. Die Kunst, Wirkstoffe in eine solch geeignete Applikationsform zu bringen, heißt "Galenik". Dieser Begriff geht auf den Arzt Galenus von Pergamon (129 bis 200 n. Chr.) zurück, der als Begründer der "Arzneiformenlehre" gilt. Unterschiedliche Wirkstoffe bedürfen natürlich auch unterschiedlicher galenischer Formen: Diabetiker müssen sich ihr Insulin zum Beispiel spritzen. Nähmen sie es einfach als Tablette zu sich, würde es im Magen sofort zerstört. Viele Frauen nutzen Hormonpflaster, ohne sich bewusst zu sein, dass sie hier die galenische Form eines "transdermalen Systems" in Anspruch nehmen.

Asthmatiker kennen ganz gewiss verschiedene galenische Formen: Neben der Tablette sind ihnen vor allem die vielfältigen "Inhalationssysteme", mit deren Hilfe sie ihr Asthmamedikament inhalieren, besonders geläufig. Auch wenn es zunächst nicht den Anschein hat, gelangen die Asthmamedikamente mit Hilfe solcher Inhalatoren eigentlich nur auf die "Oberfläche" der Bronchien und werden nicht, wie etwa die Inhaltsstoffe einer Tablette, vollständig in den Blutkreislauf aufgenommen. Das hat eine Reihe von Vorteilen. Tabletten wirken im gesamten Organismus "systemisch". Auch ihren Nebenwirkungen kann man sich deshalb kaum entziehen. Inhalierbare Substanzen erreichen den Blutkreislauf hingegen kaum. Sie wirken "topisch", das heißt genau an der Stelle, an der sie benötigt werden. Ihre Nebenwirkungen auf den Gesamtorganismus sind daher gering.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich gerade auf dem Gebiet der Inhalationssysteme eine wahrhafte Revolution vollzogen. Die Zeiten, da man sein Medikament mit Wasserdampf über altmodische Apparaturen einatmen musste oder per Handzerstäuber inhalierte, sind längst vorbei. Auch die Asthmasprays, die den Wirkstoff auf Knopfdruck mit Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h in den Rachen schossen und daher vielen Menschen nicht nur durch den auftretenden Reiz, sondern auch wegen der dabei entstehenden Abkühlungseffekte Schwierigkeiten bereiteten, gehören längst der Vergangenheit an. Heutzutage stehen dem Asthmatiker zahlreiche moderne Pulverinhalatoren zur Verfügung, über die der Betreffende eine exakt dosierte Menge mikroskopisch feinen Wirkstoffpuders einfach mit einem kurzen Zug einatmet, ohne es eigentlich zu merken.

Verschiedene Inhalatoren


* Exazerbation = Verschlimmerung der Krankheitssymptome

** FEV1= Forced Exspiratory Volume, während der ersten Sekunde maximal ausatembare Luftmenge



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